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​Die Logistik im E-Commerce wird umgekrempelt – und gnadenloser

Die großen E-Commerce-Player machen Druck in der Logistik zum Beispiel mit dem Verzicht auf Rücksendung niedrigpreisiger Artikel oder der Abholung von Retouren beim Kunden. Wo führt das hin?
​Die Logistik im E-Commerce wird umgekrempelt – und gnadenloser

Wir haben hier schon vielfach darüber berichtet und erfreulich intensiv mit euch darüber diskutiert, welche Rolle als Differenzierungs- und Kostenfaktor die Logistik im E-Commerce allgemein, auf der letzten Meile und auch die Retouren einnehmen. Auf diesem Sektor ist derzeit eine Menge in Bewegung und alles deutet darauf hin, dass der Wind noch schärfer und der Wettbewerb noch gnadenloser wird, weil gerade die Branchenriesen Druck machen. Hier kommt ein Überblick zu aktuellen Entwicklungen für euch.

Amazon baut konsequent eigene Logistik aus

Es dürfte niemandem entgangen sein, dass der globale Marktführer im E-Commerce Amazon seit Jahren seine eigenen Logistikstrukturen auf- und ausbaut. Es vergeht ja kaum ein Quartal, in dem nicht der Bau eines neuen Logistik- oder Verteilzentrums angekündigt wird. Derzeit geht es um einen neuen Standort in Mönchengladbach, der 2019 eröffnet werden soll, und wo übrigens auch zahlreiche Roboter zum Einsatz kommen sollen.

Neben den eigenen Logistikzentren ist Amazon im Bereich letzte Meile zum Beispiel auch mit Abholstationen an Tankstellen höchst aktiv.

Das Ansinnen der Truppe von Jeff Bezos ist dabei klar: Man möchte sich ein gutes Stück weit unabhängig machen von externen Logistikdienstleistern und mit der gigantischen Finanzmacht des Konzerns im Rücken möglicherweise auch über zeitweise defizitäre Quersubventionen bei Logistikpreisen, die Amazon nur begrenzt weh täten, Wettbewerber aus dem Markt drängen.

Knallhartes Kalkül: Billige Artikel müssen nicht retourniert werden

Retouren sind teuer – das wisst ihr aus leidvoller Erfahrung besser als jeder andere. Marktbeobachter wie der Präsident des Bundesverbandes Onlinehandel Oliver Prothmann beobachten, dass viele Online-Händler mittlerweile auf die Rücksendung beanstandeter Waren verzichten, wenn diese im Preis unter 20 Euro liegen. Zum Beispiel bei Amazon erhielten Kunden bei Artikeln aus dieser Preisklasse häufig die Mitteilung: „Erstattet – Sie müssen diesen Artikel nicht zurücksenden. Ihre Gutschrift wurde veranlasst“.

Dahinter steckt natürlich keine großmütige Spendenbereitschaft, sondern eine knallharte Kostenkalkulation, nach der die Bearbeitung einer Retoure höhere Kosten verursacht als der Verzicht auf die Rücksendung. Das ist in einer Mischkalkulation bei Marktriesen wie Amazon sicher richtig, kann aber bei Online-Händlern, die bevorzugt mit Artikeln aus diesem Preissegment handeln, natürlich nicht funktionieren und ruinöse Auswirkungen haben. Eine gefährliche Entwicklung!

Zalando testet Retourenabholung beim Kunden

Gerade in der Online-Fashionbranche sind Rücksendungen traditionell ein massives Problem, weil die Retourenquote nach Einschätzung der meisten Experten um die 50 Prozent liegt. Das ist für jeden Controller bei den großen Modeversendern aber natürlich auch für jeden von euch kleinen und mittleren Shopbetreibern, die Modeartikel über das Internet verkaufen, eine absolute Horrorzahl.

Der deutsche Modeplatzhirsch Zalando testet in Wien ein Modell zur Abholung von Retouren-Paketen zuhause und erspart seinen Kunden damit den Weg zur Paketstelle. Zalando arbeitet dazu mit dem Partner Liefery zusammen. Retoure sehr einfach und kundenfreundlich gestaltet. Aber, funktioniert das auch aus wirtschaftlicher Sicht? Wir werden es sehen. Wohl dem, der sich solche Pilotprojekte leisten kann.

Die Marktgrößen setzen ihre logistische Akzente – und der Rest?

Bei all den genannten aktuellen Entwicklungen und noch einigen mehr in der E-Commerce-Logistik stellt sich natürlich die Frage, ob Shopbetreiber diesseits der großen Finanzkraft von Amazon, Otto oder Zalando dabei nicht irgendwann auf der Strecke bleiben und aus dem Markt gedrängt werden. Die Marktgrößen setzen unbeirrt ihre Akzente in der Logistik, was natürlich ihr gutes Recht ist.

Aber wo führt das mittelfristig hin? Haben kleinere und mittlere Online-Händler da überhaupt eine faire Chance? Was sagt ihr? Wie sind eure Erfahrungen mit Versandkosten, der Preissensibilität eurer Kunden und dem Retourenverhalten? Welche Möglichkeiten habt ihr überhaupt, darauf zu reagieren? Wir sind gespannt auf eure für unsere Community wertvollen Praxiserfahrungen und Meinungen. Danke!



Bilder © alphaspirit / Fotolia

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Autor

​Frank Zimmermann

Frank ist mit seinem Unternehmen FCZ PRwww.fczpr.de seit 2004 selbständiger Kommunikationsberater. Seine Kernkompetenzen sind E-Commerce, IT im Allgemeinen und die Finanzdienstleistungsbranche. Neben Corporate Communications ist die Krisenkommunikation seine Passion. Zuvor war Frank als Managing Director des Standortes Frankfurt der PR-Agentur Weber Shandwick tätig. Frank schreibt seit 2015 mit großem Erfolg für unseren Blog.

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