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​Die Killer-App für die letzte Meile gibt es nicht

Das zurückliegende Weihnachtsgeschäft hat es gezeigt: Die Auslieferung von Online-Einkäufen auf der letzten Meile ist am Anschlag. Eine Killer-App als Lösung ist nicht in Sicht.
​Die Killer-App für die letzte Meile gibt es nicht

Der große und von manchen Paketlieferdiensten und Logistikexperten angekündigte Paketkollaps ist im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft zwar ausgeblieben. Doch ist im November und Dezember auch klar geworden, dass sich die Logistik des E-Commerce auf der so genannten letzten Meile mittlerweile zumindest in Spitzenzeiten wie dem Jahresendgeschäft im Grenzbereich der Kapazitäten bewegt. Und das Problem wird sich durch weiteres Wachstum des E-Commerce noch deutlich verschärfen. Die Unternehmensberatung McKinsey sagt voraus, dass sich die Zahl der täglich verschickten Pakete in Deutschland auf rund fünf Millionen gegenüber heute verdoppeln wird. Die Branche sehnt sich daher nach dem Stein der Weisen, dem genialen Geistesblitz, der Killer-App zur Lösung der Probleme auf der letzten Meile. Doch eine solche Killer-Lösung ist nicht in Sicht.

Der Serviceanspruch der Online-Shopper ist hoch

Online-Shopper erwarten eine zuverlässige und schnelle, immer öfter sogar sehr schnelle Lieferung ihrer Ware möglichst kostenlos und innerhalb eines definierten Zeitfensters an eine individuell festzulegende Lieferadresse. Das ist bei beständig steigenden Liefervolumina eine riesige Herausforderung für den Online-Handel und die Logistikdienste. Aber genau dieser hochwertige Lieferservice ist eben auch einer der wichtigsten Trümpfe des E-Commerce gegenüber dem stationären Handel. Die Kunden empfinden es einfach als komfortabel und bequem, ohne eigenen Aufwand online bestellte Ware zum gewünschten Zeitpunkt an den gewünschten Ort geliefert zu bekommen.

Abstriche beim Service auf der letzten Meile sind keine Option

Es ist also kein besonders kluger Lösungsansatz, als Antwort auf die quantitativ und qualitativ beständig größer werdenden Herausforderungen auf der letzten Meile mit Abstrichen beim Serviceumfang zu reagieren. So kursierte kürzlich der Vorschlag, nur noch gegen Aufpreis an die Haustüre zu liefern und als grundsätzliche Basisleistung die Pakete in lokale Pakethubs zu bringen, wo die Kunden diese dann abholen. Das könnte man so machen. Doch gäbe der Online-Handel dann einen seiner wichtigsten Pluspunkte gegenüber dem stationären Handel auf. Fragt doch einmal eure Kunden, was die davon halten, zu Stoßzeiten wie nach Feierabend oder am Samstagvormittag ihr Paket in einem Paketshop abzuholen.

Maßnahmenmix statt Killer-App auf der letzten Meile

Es ist ja nicht so, dass es keine Ideen für einen individuellen Paketlieferservice gäbe. Paketboxen in den Wohnquartieren oder auch an Tankstellen, Pakettaschen an Haus- und Wohnungstüren, Lieferungen in den Kofferraum des Autos, die genannten Pakethubs und einige Ideen mehr geistern beständig durch die Branche. Das sind alles schöne und nützliche Ansätze, aber die eine geniale Maßnahme, die alle Probleme mit einer Lösung beseitigt, ist eben nicht dabei. Und dabei wird es auch trotz Drohnen- und Lieferroboterphantasien erst einmal bleiben. Es wird also darauf ankommen, mit einem Mix aus allen praktikablen Lösungsansätzen auf der letzten Meile die Servicequalität für die Online-Kunden so hoch wie möglich zu halten.

Aus aktuellem politischen Anlass noch eine Bemerkung: Sollte es tatsächlich zu Fahrverboten für Dieselfahrzeuge in Innenstädten kommen, stehen die Paketlieferdienste vor einem massiven Problem. Denn davon wäre der Hauptlastträger, das Arbeitspferd der Paketlieferung, nämlich der gute alte Kastenwagen betroffen. Da schwebt zumindest in betroffenen Großstädten und Ballungsgebieten ein echtes Damoklesschwert über dem E-Commerce.

Muss an der Preisschraube gedreht werden? – Hermes prescht vor

Unter den Webshoppern herrscht bekanntlich gerade bei den Lieferkosten eine ausgeprägte Gratis- oder zumindest Geiz-ist-Geil-Mentalität. Und an dieser Stelle kommt ganz konkret ihr als Online-Händler ins Spiel. Mit Hermes hat jüngst schon einer der großen Paketdienste generelle Preiserhöhungen von 4,5 Prozent und zusätzlich so genannte Peak-Zuschläge, also höhere Preise pro Paket im Weihnachtsgeschäft angekündigt. Hermes begründet diese Preiserhöhungen damit, in zusätzliches Personal und Material – also zum Beispiel Lieferautos – investieren zu wollen, um der wachsenden Paketflut auch in Zukunft Herr werden zu können. Ob diese Investitionen so stattfinden werden oder die höheren Preise zur Gewinnmaximierung beitragen sollen, bleibt abzuwarten. Man muss so oder so kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass die anderen großen Paketdienste preislich bald nachziehen werden.

Für Euch stellt sich dann natürlich die Frage, ob überhaupt und in welcher Höhe ihr diese Preiserhöhungen an eure Kunden weitergeben könnt.

Fazit

Wir werden auf absehbare Zeit auf der letzten Meile im E-Commerce mit dem heute bekannten und praktizierten Instrumentarium zurecht kommen müssen. Eine Killer-Lösung ist nicht in Sicht. Preiserhöhungen der Logistikunternehmen sind auf dem Weg – weitere werden folgen. Wie plant ihr, mit diesen Entwicklungen umzugehen? Eure Meinungen interessieren uns sehr.



Bilder © Tomasz Zajda / Fotolia

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Autor

​Frank Zimmermann

Frank ist mit seinem Unternehmen FCZ PRwww.fczpr.de seit 2004 selbständiger Kommunikationsberater. Seine Kernkompetenzen sind E-Commerce, IT im Allgemeinen und die Finanzdienstleistungsbranche. Neben Corporate Communications ist die Krisenkommunikation seine Passion. Zuvor war Frank als Managing Director des Standortes Frankfurt der PR-Agentur Weber Shandwick tätig. Frank schreibt seit 2015 mit großem Erfolg für unseren Blog.