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Warum wir nicht zur Arbeit gehen - die distributed company

Wir arbeiten alle im Netz - und da, wo wir grad sind. Bei Versacommerce heißt das: in alle Windrichtungen versprengt, irgendwo in Deutschland. Unser Geschäftsmodel ist eine eCommerce-Software in der Cloud (SAAS) und unser Organisationsmodell: eine distributed company. In einer distributed company angestellt zu sein heißt, dass die Arbeitskräfte des Unternehmens dezentral arbeiten. Sie sind in allen Ecken der Region, des Landes oder sogar auf dem Globus verteilt.
von clausen

Die Belegschaft kommt also nicht - wie die Mitarbeiter eines traditionell aufgestellten Unternehmens - an einem Ort jeden Tag erneut zum Arbeiten zusammen. Die Arbeit kommt zu ihnen - das Internet übermittelt sie, wo auch immer sie gerade sind und wohnen oder arbeiten wollen.

Diese Idee ist allerdings nichts Neues. Telearbeit oder Heimarbeit gab es schon lange vor der Wissensgesellschaft und dem digitalen Datentransfer: zum Beispiel arbeiteten Frauen einfacher Arbeiterfamilien um die Jahrhundertwende von zu Haus aus als Näherin oder Strickerin für die Textilindustrie. Was übrigens auch heute noch funktioniert - in allen denkbaren Facetten. Mittlerweile gibt es kaum mehr Unternehmen, in denen das Arbeiten-von-überall nicht zu einem gewissen Grad alltagstauglich geworden ist. Die moderne Kommunikationstechnologie macht es möglich - und leicht.

Die distributed company ist dennoch neu und anders. Sie unterschiedet sich vor allem in zwei Aspekten von anderen ortsunabhängigen Organisationsmodellen. Während Telearbeit wie ein Satellit um das Hauptquartier kreist und oft nur einen kleinen Teil der Arbeitszeit oder Belegschaft betrifft, baut die distributed company ausschliesslich auf das Model des “Nicht-im-Firmensitz-anwesend-Seins”. Das hat zunächst ein mal die Konsequenz, dass es in der distributed company überhaupt kein typisches Hauptquartier gibt. Der Firmensitz ist bestenfalls ein kleines Büro mit Meetingraum für den CEO. Oder wie bei uns: die helle und große Loftwohnung des Gründers in einer deutschen Großstadt.

Der zweite grundlegende Unterschied ist, dass die Mitarbeiter klassischer Telearbeit oft nicht miteinander vernetzt sind. Ihre Verbindung besteht lediglich zum Hauptquartier der Firma und unterschiedet sich oft wenig von einer typischen Lieferantenbeziehnung.

Bei der distributed company ist das genaue Gegenteil grundlegend für das Selbstverständnis: Alle Mitarbeiter sind mit allen Ressourcen des Unternehmens vielfach und eng vernetzt. Indem Schlüsseltechnologien zur Verfügung gestellt werden und für alle Arbeitsprozesse als Grundlage etabliert werden, haben Mitarbeiter von überall aus in der Welt und jederzeit Zugang zu allem, was das Unternehmen ausmacht: Mitarbeitern, Software und Datenbanken. Bei Versacommerce bietet ein Mix aus Software(-as-a-Service)-Lösungen den Mitarbeitern die gemeinsame Plattform für kollaboratives Arbeiten, samt Projektmanagement und file-sharing. Dazu kommen Emails, visuelle Kommunikationskanäle und webbasierte CRM- und Buchhaltungssysteme.

Während man diese tools natürlich auch in allen klassischen Unternehmensstrukturen findet, liegt der Unterschied bei der distributed company darin, dass die Systeme meist web-basiert sind. Sie fristen nicht - dank der geschicktem Ausweichstrategien der Mitarbeiter, die lieber Flurfunk betreiben - ein ungenutztes Dasein. Im Gegenteil: Sie bilden das Herzstück der gesamten Zusammenarbeit.

Klingt zumindest in der Theorie praktikabel. Aber ist es auch gewünscht? Wieso würden Menschen nicht am gleichen Ort arbeiten wollen? Mit ein wenig Nachforschung ist schnell erkannt, dass das Modell der distributed company als Alternative zu bestehenden Organisationsmodellen für einen bestimmten Typ von Unternehmen dient. Wie bei uns kommt es natürlich nur dort zum Einsatz, wo es schlicht dem Unternehmenserfolg besser dient als traditionelle Modelle. Derzeit scheinen also vor allem kleinere Firmen mit Internet-basierten Geschäftsmodellen davon zu profitieren.

Mit dem Model der distributed company lassen sich einige Herausforderungen der kleineren Firmen besonders gut lösen. Einerseits entfallen hohe Fixkostenblöcke, die mit dem Anmieten und Ausstatten der Büroflächen verbunden sind. Außerdem entstehen weniger Schwierigkeiten, die mit dem Thema Standort verbunden sind: wie die Suche nach den besten Fachkräften oder die Notwendigkeit aus strategischen Gründen an verschiedenen Standorten “vor Ort” sein zu müssen - wie dem Valley, London und Berlin.

Dazu kommt, dass der Umgang mit den neuen Technologien in jungen Unternehmen ganz natürlich ist. Da sie sowieso Grundlage der Kommunikation, Kooperation und Datenhandhabung bei Internet-Startups bilden, besteht von vornherein bereits die notwendige Infrastruktur und die Kultur für eine distributed company.

Natürlich bedarf es einem besonders proaktiven Umgang mit den Medien, dem Bilden von Teams und der Kooperation untereinander. In den nächsten Wochen wollen wir uns in einer Artikelserie an die Herausforderungen der distributed company darstellen. Wir werden ein wenig aus dem Versacommerce-Nähkästchen plaudern und auch von anderen Unternehmen berichten. Uns interessieren dabei vor allem die Arbeits- und Managementkultur und die Menschen dahinter, die Themen Kollaboration und Kommunikation und die notwendige Technologie für die Zusammenarbeit - und die Frage, welche Vorteile und Nachteile uns in der Theorie und in der Praxis begegnen.

Bilder: © XXXXXXXXX / Fotolia

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