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Worauf du bei der Lokalisierung deines Shops achten solltest

Möchtest du auf den internationalen Markt vorstoßen und deinen bisher deutschsprachigen Shop in einer anderen Sprache anbieten? Oberflächlich betrachtet, ist das ganz einfach: Du musst die Site nur übersetzen (lassen). In der Realität gibt es bei der Lokalisierung jedoch noch ganz andere Schwierigkeiten – sowohl technische als auch oft kulturelle.
von IsoldeKommer

Ist eine Lokalisierung überhaupt notwendig?

Eine Entscheidung für die Lokalisierung sollte nicht nur deshalb fallen, weil jeder es tut. Prüfe die Erfordernisse deiner Branche genau und definiere, was du mit einer Lokalisierung erreichen möchtest: zum Beispiel die Online-Verkäufe in Frankreich um 20% steigern oder Support-Anfragen aus diesem Land um 10% senken. Solche fest umrissenen Ziele stellen die beste Entscheidungsgrundlage dar.

In welche Sprachen soll übersetzt werden?

Englisch ist die Lingua Franca des Internet. Oft genügt es deshalb, den Shop in das Englische zu übertragen. Möchtest du dich jedoch auf ein ganz bestimmtes Land konzentrieren, solltest du deine Site nach Möglichkeit auch in der dort vorherrschenden Sprache zur Verfügung stellen: Ein in der Muttersprache verfasster Shop vermittelt dem Kunden das Gefühl, dass er dir wichtig ist.

Kulturelle Unterschiede

Nicht nur die korrekte Übersetzung in die Sprache der Zielgruppe ist wichtig, sondern auch die kulturelle Gepflogenheiten dieser Nutzer. Und gerade hier wird es spannend und oft auch ein wenig knifflig ...

Ein hervorragendes Beispiel für eine kulturell angepasste Zielgruppenansprache ist die des japanischen Unternehmens Rakuten: Viele japanische Websites wirken für unsere Begriffe quietschbunt, bildlastig und chaotisch. In der Heimat präsentiert sich das Online-Händlerportal denn auch im typischen Stil eines japanischen Shops.


rakuten1 Die japanische … (Screenshot: rukuten.co.jp)

Die Rakuten-Sites der westlich orientierten Länder entsprechen hingegen den Sehgewohnheiten der dortigen Nutzer:

rakuten2 … und die deutsche Rakuten-Site (Screenshot: www.ratukten.de)

Möchtest du deine Website für ein wirklich internationales Publikum lokalisieren, brauchst du zudem eine gewisse Sensibilität für andere Kulturen, um missverständliche oder sogar anstößige Inhalte zu vermeiden. Dies gilt insbesondere für Bilder, selbst wenn sie scheinbar ganz harmlos daherkommen.

Ein Shop für Nahrungsergänzungsmittel könnte ein Magnesiumprodukt mit dem folgenden Cartoon bewerben. Er soll zeigen, wie gut das Präparat bei Kopfschmerz und Schwindel wieder auf die Beine hilft:


(Grafik: Isolde Kommer)

Jetzt stelle dir vor, dass die Site von Angehörigen des arabischen oder hebräischen Kulturkreises genutzt wird. Hier liest man von rechts nach links - spiegeln wir den Cartoon also einfach einmal, damit wir uns die Wirkung vorstellen können ...


Druck (Grafik: Isolde Kommer)

Besonders gefährlich sind Bilder, auf denen Handgesten dargestellt sind, weil diese in anderen Kulturkreisen teilweise eine andere Bedeutung haben als bei uns. Ein Beispiel von vielen ist die „Daumen hoch“-Geste, die in den meisten westlichen Ländern eine positive Bedeutung hat. Im Mittleren Osten, in Australien und Teilen von Südamerika wird sie hingegen als obszöne Geste bzw. schwere Beleidigung verstanden. In Fernost wiederum steht sie für die Zahl 5.

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Was bei uns fröhlich und positiv wirkt, kann in anderen Kulturkreisen ein sehr schlechtes Licht auf dich und deine Site werfen. (Foto: pixabay.com)

Achte auch auf Symbole, die eventuell religiös gedeutet werden könnten, wie Sterne und Kreuze usw. Symbole wie Stoppschilder, Sport-Metaphern und ähnliche Elemente wiederum wirken auf die Angehörigen anderer Kulturkreise zwar vielleicht nicht anstößig, sind ihnen aber einfach nicht geläufig.

Farben sind ebenfalls oft mit kultureller Bedeutung beladen. Die Wahl der falschen Farben für dein Logo oder den Site-Hintergrund hat nicht unbedingt katastrophale Konsequenzen, beeinflusst aber die Stimmung und Einstellung der Website-Besucher. Ein Beispiel ist die Farbe Weiß, die in westlichen Kulturen als Farbe der Reinheit oder Neutralität wahrgenommen wird, in vielen mittel- und ostasiatischen Ländern als Farbe des Todes.

Blau ist eine der wenigen Farben, mit der du selten falsch liegst: Sie wird offensichtlich im kollektiven Unterbewusstsein der gesamten Menschheit mit der Weite des Himmels assoziiert und ist eigentlich immer positiv besetzt.

Die SEO-Optimierung

Nicht zuletzt brauchst du eine klare Strategie für die Suchmaschinenoptimierung der lokalisierten Site. Dies erfordert eine differenzierte Keyword-Recherche. Selbst wenn in zwei Ländern dieselbe Sprache gesprochen wird – etwa in den USA und Großbritannien oder in Portugal und Brasilien – werden dort für dieselbe Sache oft unterschiedliche Begriffe verwendet. Hinzu kommt, dass Google längst nicht in jedem Land dieser Erde Trumpf is: Russische (und immer mehr türkische) Nutzer bevorzugen Yandex, die chinesischen Surfer Baidu. Viele Japaner sind statt mit Google lieber mit Yahoo unterwegs. Das heißt, dass für jedes dieser Länder eine eigene Keyword-Recherche notwendig ist.

Das Lokalisationsbüro

An dieser Stelle ist sicherlich klar geworden, dass die Dienste eines professionellen, auf Lokalisierungen spezialisierten Übersetzungsbüros äußerst hilfreich sein können, selbst wenn du die jeweilige Zielsprache an und für sich perfekt beherrscht.

Die meisten Lokalisierungsbüros bieten einen Full-Service: Sie übersetzen deine Website nicht nur, sondern sie berücksichtigen auch kulturelle Gegebenheiten, passen Grafiken und Code an.

Wichtig ist, dass du das Büro schon im Vorfeld mit allen Quelldateien versorgst. Der Kostenvoranschlag wird dann viel genauer ausfallen. Zu diesen Materialien gehören:

  • Die URL deiner Website
  • Die Quelldateien deiner Website inklusive sämtlicher texthaltiger Dateien (etwa Grafiken und PDF-Dokumente)
  • Zugang zu CMS und Datenbanken
  • Ein Überblick über die Website-Architektur
  • Ein Glossar, das definiert, wie Abkürzungen, Produktnamen und branchenspezifische Ausdrücke übersetzt werden sollen.

Bilder: © XXXXXXXXX / Fotolia

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