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Der stationäre Einzelhandel steht vor großen Herausforderungen

Eröffnung von Online-Verkaufskanälen, kontaktloses Bezahlen, neue Shopkonzepte und vieles mehr: Der stationäre Einzelhandel steht vor einem tief greifenden Umbruch.
Der stationäre Einzelhandel steht vor großen Herausforderungen

Im klassischen, stationären Einzelhandel schrillen seit dem Beginn des Siegeszuges des Online-Handels die Alarmglocken. Oder, sie sollten es zumindest tun. Bei einigen der Retailer mit Ladenlokal kann man leider den Eindruck gewinnen, dass sie die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt und begriffen haben. Das sind aber Ausnahmen. Getrieben vom Umsatzabfluss zur Online-Konkurrenz haben viele stationäre Einzelhändler durchaus reagiert. Das müssen sie auch, denn ehemalige Online-Pure-Player betreiben das Spielchen umgekehrt und wildern mit der Eröffnung von Stores längst im Revier der klassischen Einzelhändler. Stationär ist zwar keineswegs tot, muss sich aber dringend einer grundlegenden und intensiven Fitnesskur unterziehen, wenn der Zustand nicht lebensbedrohlich werden soll. Wir schauen uns einmal einige Aktivitäten mit den Zielen, in die Jagdgründe des jeweils anderen Kanals einzudringen sowie die eigenen zu verteidigen, gemeinsam an. Ok? Los geht’s!

Eine Online-Präsenz ist die Mindestanforderung

Auch für eingefleischte Offline-Pure-Player ist eine Online-Präsenz heute absolut Pflicht. Eine Website mit einigen Angaben zum Angebot, den Öffnungszeiten und der Anschrift des Ladenlokals sowie dem dazugehörigen Eintrag auf Google Maps, der übrigens kostenlos ist, sollte Standard sein. Wer sich seinen Kunden nicht mit diesen grundlegenden Informationen präsentiert, der verhält sich wie ein Sanitär-Notdienst vor 30 Jahren, der nicht im Telefonbuch stand. Das Investment in diese Basismaßnahmen ist absolut überschaubar.

Online-Sales von stationären Händlern

Dringend geboten ist für die allermeisten stationären Einzelhändler auch der Einstieg in den Online-Handel. Auf diesem Weg wird die Abhängigkeit von Kunden aus dem unmittelbaren geographischen Einzugsgebiet überwunden. Neue Umsatzpotenziale werden erschlossen. Viele Player haben diesen Schritt ja bereits vollzogen. Viele scheinen sich aber auch noch zu scheuen. Die Gründe mögen vielfältig sein, ändern jedoch nichts daran, dass dieses Versäumnis in der Regel ein grober Fehler ist. Mangelnde Internetaffinität zum Beispiel bei älteren, sehr traditionell orientierten Händlern, oder die Angst vor gigantischen Kosten für den Aufbau eines Webshops sind nicht mehr als schlappe Ausreden. Die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb eines Online-Shops werden häufig stark überschätzt. Und auch die Bedienung ist bei gut programmierten, intuitiv angelegten Shopsystemen kein Hexenwerk.

Anschluss an Online-Marktplätze als zusätzliche Option

Eine zusätzliche Option bietet dann die Anbindung des eigenen Webshops an Online-Marktplätze wie Amazon, eBay, DaWanda, Rakuten oder Etsy. Die Vorteile liegen auf der Hand. Auf diesen renommierten Marktplätzen findest du ein Kunden- und Umsatzpotenzial vor, dass du mit deinem Shop, so gut er auch sein mag, im Alleingang niemals erreichen kannst.

In vielen Städten und Regionen haben sich die lokalen, ehemals nur stationären Einzelhändler auch zu eigenen lokalen Online-Marktplätzen zusammengeschlossen. Ein Beispiel ist die Online City Wuppertal Oder sie präsentieren sich als lokale Händlergemeinschaft auf großen Online-Marktplätzen wie im erfolgreichen Projekt Mönchengladbach bei eBay.

Digitalisierung im Ladenlokal - Kontaktloses Bezahlen ist auf dem Vormarsch

Die Digitalisierung macht natürlich auch vor der Ausstattung der Ladenlokale selber nicht Halt. Ein Beispiel hierfür ist das kontaktlose Bezahlen. Hierbei hält der Kunde an der Kasse eine Karte mit Chip an ein Terminal, der fällige Betrag wird abgebucht, das zeitaufwändige Kramen im Geldbeutel nach dem passenden Betrag oder das Geldwechseln durch das Kassenpersonal entfällt. Diese Technik, die aktuell beispielsweise beim Discounter Lidl eingeführt wird, basiert auf der so genannten Near Field Communication (NFC). Im Prinzip geht es bei der Digitalisierung der Ladenlokale, die viele weitere Aspekte umfasst, aber um Service und Spaß am Einkaufen im Allgemeinen. Waren zu begutachten, sich für das gewünschte Produkt zu entscheiden: Das macht Spaß. Warten an der Kasse nicht.

Pimp your business: Die Online-Händler machen es vor

Wenn der stationäre Handel weiterhin so zögerlich bei der Eroberung der Online-Welt und der Nutzung von Synergien aus beiden Absatzkanälen vorgeht wie bislang, wird es früher oder später ein böses Erwachen geben. Denn die Online-Riesen zögern keineswegs, ihre Chancen auch offline zu suchen.

Amazon betreibt in den Vereinigten Staaten seit geraumer Zeit mit großem Erfolg zahlreiche stationäre Stores. In diesen Stores werden ganz überwiegend aktuell sehr gefragte Artikel angeboten. Und woher weiß Amazon, welche Artikel gefragt sind? Richtig! Aus dem Online-Geschäft. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann dieses Modell über Großbritannien auch nach Deutschland kommt.

Pilotprojekt Amazon Go

Unlängst hat Amazon nach vierjähriger Entwicklungsdauer am Unternehmensstandort Seattle einen Supermarkt eröffnet, der beinahe ohne Personal auskommt. Und dieses Pilotprojekt namens Amazon Go geht so: Beim Betreten des Ladenlokals lassen die Kunden ihren "Key" der auf dem Smartphone installierten Amazon-Go-App scannen. Sensoren verzeichnen dann im Ladenlokal, welche Artikel der Kunde aus den Regalen nimmt oder gegebenenfalls auch wieder dorthin zurückstellt. Beim Verlassen des Stores wird die für den Einkauf fällige Summe vom Amazon-Konto abgebucht. Fertig. Und, liebe Traditionalisten im stationären Einzelhandel, glaubt mir, bitte: Amazon führt solche Projekte nicht aus reinem Spieltrieb durch.

Ich gebe zu, dass dieser Pilotmarkt vor einigen Tagen zunächst einmal gestoppt wurde. Das hatte technische Gründe. Wenn sich zu viele Kunden in diesem Markt aufhielten und einkauften, war die automatische Erfassung der jeweiligen Einkaufstätigkeiten überfordert. Allerdings halte ich dies für ein beherrschbares Problem, das Amazon sicher bald lösen wird. Das Zukunftsmodell Amazon Go bleibt somit mit großer Sicherheit auf der Tagesordnung.

Fazit

Mir ist durchaus bewusst, dass der „normale“ stationäre Retailer nicht unbegrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung hat, die Online-Welt an sieben Tagen zu erobern und sein Ladenlokal komplett zu digitalisieren. Meine Botschaft ist aber dennoch ganz klar: Den Kopf in den Offline-Sand zu stecken ist sicher keine trag- und zukunftsfähige Lösung. Schaut euch bitte um. Finanziell und technisch beherrschbare Lösungen zum Einstieg in den Online-Handel sind durchaus vorhanden. Jetzt seid ihr dran. Go for it and join the online world!

Bilder © detailblick-foto / Fotolia

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Autor

Frank Zimmerman

Frank ist mit seinem Unternehmen FCZ PR seit 2004 selbständiger Kommunikationsberater. Seine Kernkompetenzen sind E-Commerce, IT im Allgemeinen und die Finanzdienstleistungsbranche. Neben Corporate Communications ist die Krisenkommunikation seine Passion. Zuvor war Frank als Managing Director des Standortes Frankfurt der PR-Agentur Weber Shandwick tätig. Frank schreibt seit 2015 mit großem Erfolg für unseren Blog.

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