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Barrierefreie Webshops: So sollte es laufen (Teil: IV)

Die Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung von Websites und Online-Shops wird auch in Deutschland kommen. Und so sollte es dann laufen mit der Barrierefreiheit.
Barrierefreie Webshops: So sollte es laufen (Teil: IV)

In unserer Serie zur barrierefreien Gestaltung von Internetseiten im Allgemeinen und Online-Shops im Besonderen, die in nicht allzu ferner Zukunft auch in Deutschland verpflichtend werden wird, habe ich für Euch dieses Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten versucht. Heute soll es abschließend darum gehen, wie die Einführung und Umsetzung der Barrierefreiheit im Netz denn idealerweise am Tag X umgesetzt werden sollte. Welche Forderungen gibt es an den Gesetzgeber? Wie könnten kleine Shopbetreiber vor Überforderung geschützt werden? Ist die Barrierefreiheit für Online-Händler nur Last, oder auch Chance? Ich lade euch ein, mit uns über meine Gedanken hierzu zu diskutieren.

Barrierefreiheit im Netz: Last oder Chance?

Ich möchte hier gar nichts beschönigen; die Umrüstung von Internetseiten und Webshops wird für die Betreiber der Seiten und Plattformen mit zeitlichem und ohne Zweifel auch mit finanziellem Aufwand verbunden sein. Das hat unser Interview mit dem Entwicklerteam von VersaCommerce klar herausgearbeitet. Ich rate allerdings dazu, die Umstellung auf Barrierefreiheit nicht ausschließlich als Belastung, sondern auch als Chance zu begreifen. Zunächst einmal ist es ein unbestrittenes Recht von Menschen mit Einschränkungen, nicht nur mit einem Rollstuhl ein stationäres Ladenlokal barrierefrei – in diesem Fall also ohne unüberwindbare Treppenstufen – aufsuchen zu können, sondern auch mit eingeschränkter Sehfähigkeit in einem Online-Shop zurechtkommen zu können.

Darüber hinaus sind die in Rede stehenden Menschen mit Einschränkungen natürlich auch eine zusätzliche Zielgruppe für den Online-Handel. Sie sind also eher Chance als Last für den E-Commerce.

Wir brauchen klare Regelungen des Gesetzgebers zur Barrierefreiheit

Insbesondere unser Interview mit dem Handelsverband Österreich hat gezeigt, dass unsere Nachbarn in der Alpenrepublik, wo die Barrierefreiheit bereits seit Anfang 2016 gesetzliche Pflicht ist, in erster Linie das Fehlen klarer, transparenter und einheitlicher Regelungen seitens des Gesetzgebers zur Ausgestaltung der Barrierefreiheit bemängeln.

Daraus ergibt sich unmittelbar der Appell an den deutschen Gesetzgeber, bei Einführung der gesetzlichen Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung von Internet-Angeboten eindeutige, einheitliche, verständliche und nachprüfbare Kriterien auf den Tisch des Hauses zu legen. Nur so können Unsicherheiten, Grauzonen und vor allem die unsägliche Abmahnindustrie, die sicher schon freudig ihre Messer wetzt, in die Schranken verwiesen werden.

Der HDE sollte etwas weniger fatalistisch mit der Barrierefreiheit umgehen

„Sollten die geplanten Anforderungen tatsächlich für den Online-Handel gelten, müssen Händler in Deutschland mit massiven Belastungen rechnen“, so der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Beispielsweise würde sich die Zeit für das Einstellen neuer Produkte durch die neuen Anforderungen glatt verdoppeln. Insgesamt lägen die Folgekosten im deutschen Online-Handel bei über drei Milliarden Euro. Für mehr Bürokratie sorgen zusätzlich neue Melde- und Informationspflichten.

„Die teuren EU-Pläne erschweren insbesondere jungen, kleinen und mittelständischen Händlern den Einstieg in den E-Commerce. Außerdem gefährden die strengen Vorgaben die internationale Wettbewerbsfähigkeit der in der EU ansässigen Unternehmen“, so Tromp weiter.

Ok, es ist die Aufgabe des HDE, die Interessen des deutschen Handels zu vertreten. So weit, so gut. Allerdings hat der österreichische Handelsverband in unserem bereits erwähnten Interview klar gemacht, dass die Einführung der Barrierefreiheit dort keineswegs das Ende aller Tage und den Untergang des Abendlandes im Online-Handel bewirkt hat. Also, bitte, etwas mehr Gelassenheit und Konstruktivität, liebe Kollegen vom HDE.

Kleine Online-Shops brauchen Unterstützung bei der Barrierefreiheit

Wahr ist aber auch, dass schon die Investitionskosten für die barrierefreie Umrüstung ganz sicher eine Vielzahl von kleinen Online-Shops mit geringen Gewinnen finanziell überfordern und aus dem Markt drängen würden. Profiteure wären einmal mehr die großen Player. Das Nachsehen hätten somit auch nicht zuletzt die Verbraucher, denen ein weiteres Stück der Vielfalt von unterschiedlichen Anbietern im E-Commerce verloren ginge.

Schonender Weg zur Barrierefreiheit im E-Commerce muss gefunden werden

Angesichts des beschriebenen Szenarios muss die Forderung an den Gesetzgeber lauten, gemeinsam mit dem Online-Handel einen schonenden Weg zur Barrierefreiheit im E-Commerce zu finden. Zu den Instrumenten könnten zum Beispiel maßvolle Übergangsfristen gehören. Weiterhin kämen Investitionskostenzuschüsse bis zu einer festzulegenden Größenordnung in Betracht. Mit einer Deckelung würde sichergestellt, dass kleine Online-Shops ihre Investitionskosten zu einem großen Teil oder komplett abdecken könnten, ohne dass den Marktriesen Zuschüsse in siebenstelliger Höhe zustünden.

Eine Bezuschussung mit Augenmaß ist meines Erachtens schon deshalb gerechtfertigt, weil die wünschenswerte Teilnahme von Menschen mit Einschränkung am Online-Handel ein Stück weit auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Deren Kosten komplett auf die Akteure im E-Commerce abzuwälzen, wäre nicht nachvollziehbar. Das gilt insbesondere, weil ein solches Vorgehen wie beschrieben die ohnehin schon im wirtschaftlichen Existenzkampf stehenden kleinen und mittleren Online-Händler treffen und in hoher Anzahl zur Aufgabe zwingen würde. Das kann niemand ernsthaft wollen.

Fazit

Nachdem wir nun in den Teilen I bis III unserer Serie hoffentlich gut zum Thema Barrierefreiheit im Netz und bei Online-Shops informiert haben und ich heute meine Sichtweise dieses komplexen Themenbereiches kundgetan habe, interessiert uns natürlich eure Meinung. Seht ihr die kommende Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung eurer Shops eher als reine Belastung, oder auch als Chance? Was haltet ihr von der angeregten begrenzten staatlichen Förderung für kleine und mittlere Webshops für die Umstellung auf Barrierefreiheit? Bitte schreibt uns. Wir freuen uns darauf, mit euch zu diskutieren.

Bilder © zlikovec / Fotolia

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Autor

Frank Zimmermann

Frank ist mit seinem Unternehmen FCZ PR seit 2004 selbständiger Kommunikationsberater. Seine Kernkompetenzen sind E-Commerce, IT im Allgemeinen und die Finanzdienstleistungsbranche. Neben Corporate Communications ist die Krisenkommunikation seine Passion. Zuvor war Frank als Managing Director des Standortes Frankfurt der PR-Agentur Weber Shandwick tätig. Frank schreibt seit 2015 mit großem Erfolg für unseren Blog.

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