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Online-Food: Der E-Commerce nimmt den Seiteneingang

Im Online-Handel mit Lebensmitteln – neudeutsch Online-Food – tut sich derzeit einiges. Der E-Commerce bläst zum Angriff auf diesen riesigen Markt. Ein aktuelles Lagebild.
Online-Food: Der E-Commerce nimmt den Seiteneingang

Das Umsatzvolumen des Marktes für Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs, die bislang traditionell in stationären Supermärkten oder Drogeriemärkten gekauft werden, beträgt in Deutschland gewaltige 170 Milliarden Euro. Schon alleine dieses Marktvolumen rechtfertigt es, dass wir für euch regelmäßig ein Auge auf dieses wichtige Einzelhandelssegment werfen. Zwar liegt der Anteil des E-Commerce an diesem Segment aktuell nur bei rund einem Prozent, aber es tut sich was. Wie der Branchenverband bevh jüngst mitteilte, wies der Bereich Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs im Jahr 2016 ein Umsatzplus von 26,7 Prozent auf. Diese Wachstumsrate liegt mehr als doppelt so hoch wie das Wachstum des E-Commerce in Deutschland insgesamt, das im Jahr 2016 bekantlich bei 12,5 Prozent lag. Für dieses stark überdurchschnittliche Wachstum bei Online-Food gibt es eine Reihe von Gründen.

Bei Lebensmitteln kommt der E-Commerce durch den Seiteneingang

Noch immer scheuen sich die allermeisten Verbraucher, leicht verderbliche, frische Lebensmittel wie frischen Fisch, Gemüse, Milchprodukte oder Fleisch online einzukaufen. Zu den Gründen hierfür kommen wir gleich noch. Doch die cleveren Distanzhändler verschaffen sich ihren Zugang zum attraktiven Markt Online-Food quasi durch die Seitentür und schneiden sich ihren Anteil vom Umsatzkuchen ab.

Der besagte Seiteneingang sind die nicht verderblichen Waren. Zwei Getränkekisten, sechs Packungen Pasta, ein Sack Trockenfutter für den lieben Bello, diverse Konservendosen und der Zehner-Pack Toilettenpapier im Einkaufswagen erhöhen nicht gerade das Shoppingvergnügen. Das ganze Zeug muss ja auch noch zuerst noch auf das Laufband an der Kasse, dann in den Kofferraum des Autos vor dem Supermarkt und zum guten Schluss noch in die eigene Behausung geschafft werden. Gar nicht schön! In genau diese offene Flanke stoßen die Online-Anbieter und setzen auf die Bequemlichkeit der Konsumenten.

Den mit Mischkalkulationen in einem margenschwachen Segment operierenden stationären Retailern wie Super- und Drogeriemärkten sowie Discountern tut jeder Umsatzverlust weh. Daher sind diese auch nicht bereit, die Attacke des Online-Handels tatenlos hinzunehmen und reagieren unter anderem mit eigenen Online-Angeboten und Lieferservices. Die Schlacht um die Umsätze ist voll entbrannt.

Anbieter wie HelloFresh und AllyouneedFresh sehr aktiv

Zusätzliches Ungemach droht dem stationären Lebensmittelhandel von Anbietern wie HelloFresh. Hier kann der Kunde sich aus einer Vielzahl von Rezeptvorschlägen sein Lieblingsmenü für den Abend aussuchen und sich alle erforderlichen Zutaten, auch die frischen, kostenlos liefern lassen. Dieses kundenfreundliche Konzept ist zwar noch kein Massenphänomen, aber jedes Menü mit den kompletten Zutaten, das hier verkauft wird, entgeht dem stationären Handel.

AllyouneedFresh, der Online-Supermarkt der Deutsche Post DHL Group, hat gerade den ersten intelligenten Mülleimer vorgestellt. Der Mülleimer kann den EAN-Code von Verpackungen beim Wegwerfen auf Wunsch scannen und das Produkt gleich in den AllyouneedFresh Warenkorb legen. Das ist vielleicht nur ein Gimmick, zeigt aber, dass der E-Commerce bereit ist, in die Eroberung des Marktes Online-Food zu investieren.

Und wo wir gerade beim Thema Fresh sind: Wenn der globale E-Commerce-Platzhirsch mit Amazon Fresh ebenfalls munter mitmischt, ist ohnehin Alarmstufe Rot für den klassischen Lebensmittelhandel geboten. Die Manager aus Seattle investieren bekanntlich nicht aus Langeweile oder Spaß in neue Märkte. Fragt diesbezüglich doch mal den Buch- oder Elektronikfachhandel.

Die Frische von Online-Food bleibt die große Herausforderung Die große Herausforderung, die der E-Commerce noch nicht gemeistert hat, ist die Gewährleistung der Frische von verderblichen Lebensmitteln während der Auslieferung an die Kunden. Hier gab und gibt es massive Qualitätsprobleme. Vor allem bei der Einhaltung der Kühlkette bei der Lieferung von verderblicher Frischware gibt es noch viel zu häufig erhebliche Mängel wie das Portal marktwaechter.de der Verbraucherzentralen im Januar zum wiederholten Male festgestellt hat.

Wenn bei einem Test der Verbraucherzentrale mehr als die Hälfte der gelieferten verderblichen Lebensmittel eine Temperatur über den vorgeschriebenen Werten aufweisen, dann ist das kein Spaß. Denn im Gegensatz zu einer Bluse, deren Farbe nicht mit dem Bild im Webshop übereinstimmt, ist das gesundheitsgefährdend. In der Online-Food- Logistik liegt also noch eine Menge Arbeit vor unserer Branche.

Fazit

Der Markt für online bestellte Lebensmittel und Konsumartikel des täglichen Bedarfs (Fast Moving Consumer Goods – FMCG) ist vergleichsweise margenschwach, wegen seines gigantischen Volumens aber dennoch attraktiv. Und vor allem ist er krisensicher. Wie heißt es doch so schön? Gegessen und getrunken wird immer.

Diese Binsenweisheit ist auch nicht zu widerlegen. Wer hier attraktive Nischen findet, in denen er den stationären Marktbeherrschern ein Stück von ihrem angestammten Umsatz abknapsen kann, ohne sich den beschriebenen, bisher ungelösten, Schwierigkeiten in der Logistik auszusetzen, hat sicher gute Erfolgsaussichten.

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr schon in diesem Segment aktiv, oder plant ihr, dort einzusteigen? Eure Antworten werden sicher sehr spannend und interessant sein. Danke.


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Bilder © fahrwasser / Fotolia

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Autor

Frank Zimmermann

Frank ist mit seinem Unternehmen FCZ PR seit 2004 selbständiger Kommunikationsberater. Seine Kernkompetenzen sind E-Commerce, IT im Allgemeinen und die Finanzdienstleistungsbranche. Neben Corporate Communications ist die Krisenkommunikation seine Passion. Zuvor war Frank als Managing Director des Standortes Frankfurt der PR-Agentur Weber Shandwick tätig. Frank schreibt seit 2015 mit großem Erfolg für unseren Blog.

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