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Lieferung per Drohne und Roboter – die schmutzige Seite

Die kundenfreundliche, transparente und pünktliche Lieferung online bestellter Produkte ist die Achillesverse des E-Commerce. Nichts verärgert Webshopper mehr als das vergebliche Warten auf das Eintreffen ihrer Ware. Die Logistik reagiert mit Utopien statt Lösungen.
Lieferung per Drohne und Roboter – die schmutzige Seite

Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Die Russen-Mafia hat das Geschäftsfeld Wohnungseinbrüche vor Jahrzehnten aufgegeben. Die begehrten Artikel fahren ja längst, für Langfinger äußerst komfortabel, mit Lieferrobotern auf offener Straße umher. Leichte Beute. Waren zu Beginn des 21. Jahrhunderts Helme noch hauptsächlich für Zweiradfahrer ein unentbehrliches Utensil, so sind sie jetzt angesichts abstürzender Lieferdrohnen längst Pflicht für jeden, der sich unter freiem Himmel bewegt. Da fällt der futuristisch daher kommende Zusteller mit Datenbrille, die ihn übrigens auf seinem gelben Rad oder in seinem braun-goldenen Lieferwagen auch nicht schneller macht, kaum noch ins Gewicht. Schöne neue Logistik-Welt!

Logistik ist die Achillesverse des E-Commerce

Online-Kunden sind bequem und pragmatisch. Ein wesentlicher Grund für den Siegeszug des E-Commerce ist sein Charakteristikum, dass Konsumenten weltweit und zu jeder ihnen genehmen Tages- oder Nachtzeit den Artikel ihres Begehrens auf der Couch, aus dem Büro oder von mir aus auch aus der Kneipe im Internet aufstöbern und bestellen können. Das geht mit dem Desktop-PC, dem Laptop, dem Tablet oder dem Smartphone gleichermaßen problemlos. Kritisch wird es, wenn die digitale Welt zwangsläufig mit der analogen Welt zusammengeführt werden muss, wenn die physische Ware mit dem sie kaufenden Menschen vereint werden soll. Denn die Zeiten, in denen die Kunden die Aussage akzeptieren, dass die Lieferung am Dienstag oder Mittwoch zwischen 08.00 und 18.00 Uhr an die Privatadresse erfolgt, sind längst vorbei. Und für genau diesen Anspruch bieten die Paketdienstleister bis heute wenig Lösungen. Die Logistik ist nach wie vor die Achillesverse des E-Commerce.

Track and Trace ist oft ein Witz

Um es dem Kunden vermeintlich zu ermöglichen, sich in seiner Planung auf das Zustelldatum einstellen zu können (einfacher ausgedrückt: meine Lieferung kommt am Donnerstag um 18 Uhr - da sollte ich dann zu Hause sein), gibt es den Online-Service Track and Trace. Toll! Ich kann jederzeit nachschauen, wo sich mein Paket gerade befindet und wann es bei mir eintrifft. Ein Ruhrpott-Comedian, ich mag den Namen gerade nicht nennen, würde sagen: "Jaaneee, is klaaaaar!"

Eine persönliche Erfahrung aus jüngster Vergangenheit: Der Trackingservice von DHL gab an, dass mein Paket im Ziel-Paketzentrum bearbeitet worden sei. Voraussichtliche Lieferung morgen. Nachdem die Lieferung am angekündigten Tag nicht stattgefunden hatte, schaute ich tags darauf wieder in das Trackingsystem. Da stand dann das Gleiche. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Lieferung einen Tag später stattfinden sollte. Was am wiederum nächsten Tag zu lesen war, muss ich euch wohl nicht sagen. So ein Service ist kein Service, sondern – mit Verlaub – Kasperletheater!

Drohnen und Roboter als Placebo

[caption id="attachment_15338" align="alignnone" width="1024"]Drohne (Foto: kirill_makarov / fotolia.com)[/caption]

Für die Lösung der offensichtlichen und heute konkret akuten Probleme in der E-Commerce-Logistik sind Spinnereien über Lieferungen per Drohne und Roboter wenig bis gar nicht hilfreich. Bei der Lektüre der einschlägigen Interviews der Paket-Bosse habe ich oft den Eindruck, dass hier munter Placebos als ungedeckte Schecks auf die Zukunft verteilt werden. Zur Klarstellung: Ich bin nicht technik- oder innovationsfeindlich. Aber die häufig ins Feld geführten Zukunftslösungen sind mit sehr vielen offenen und unbeantworteten Fragen behaftet. Genehmigungsfähigkeit von Drohnen im Luftverkehr, Praktikabilität und Sicherheit von bodengestützten Robotern und, und, und ... Wir akzeptieren als Lösung für die globale Erwärmung und das Ansteigen der Meeresspiegel ja schließlich auch nicht, dass wir im Bedarfsfall irgendwo im Universum schon einen anderen bewohnbaren Planeten finden werden. Ich zumindest nicht!

Kundenorientierung, Individualisierung und Zuverlässigkeit sind die Lösung in der Logistik

Statt völlig unausgegorener Zukunftsphantasien braucht es in der E-Commerce-Logistik Kundenorientierung, Individualisierung und vor allem Zuverlässigkeit. Ein Anfang ist hier ja bereits gemacht, was ich wohlwollend zur Kenntnis nehme. Festgelegte Lieferzeitfenster in der Größenordnung von zwei Stunden, flexible Auslieferungsadressen - Stichwort Büro statt Privatwohnung -, Paketboxen und einiges mehr wurde ja bereits in Angriff genommen und teilweise umgesetzt. Natürlich gibt es noch viel Luft nach oben.

Der Knackpunkt ist ohne Zweifel die Zuverlässigkeit. Wir müssen in der Logistik endlich dahin kommen, dass der angekündigte Liefertermin auch der tatsächliche Liefertermin ist. Damit wäre schon sehr, sehr viel gewonnen. Ich persönlich bevorzuge da ganz entschieden Verlässlichkeit vor Tempo. Mir ist eine garantierte Lieferung am übernächsten Tag deutlich lieber als eine versprochene aber nicht erfolgte Zustellung am nächsten Tag. Und wenn ich mich auf die Zusage des Paketdienstes verlassen kann, dann brauche ich auch kein Track and Trace!

Mein Appell an die Paketdienste

Im Sinne der Online-Kunden, Shopbetreiber und damit letztlich der gesamten E-Commerce-Branche appelliere ich ausdrücklich an die Paketdienste, sich hier und jetzt um die Lösung der Probleme von heute zu kümmern, statt sich in utopischen Zukunftsphantasien zu suhlen. Roboter, Drohnen, Datenbrillen ... alles feine Ideen ... aber kümmert euch gefälligst erstmal darum, dass es auch mit dem Kastenwagen klappt. Was meint ihr, liebe Leser?

Bilder © XXXXXXXXX / Fotolia

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