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E-Commerce auf Facebook - Top oder Flop?

Facebook versucht seit Jahren, sich ein Stück des lukrativen E-Commerce-Kuchens abzuschneiden. Die jüngste Initiative ist der Facebook-Shop. Lohnt sich der Verkauf über die Social-Media-Plattform? Wie geht das? Was sind die Vor- und Nachteile? Wir haben für euch recherchiert.
E-Commerce auf Facebook - Top oder Flop?

Ich höre schon euer Stöhnen: "Bitte nicht noch eine Plattform für mein E-Commerce-Business." Natürlich sind viele von euch schon mehrgleisig unterwegs mit dem eigenen Shop sowie Präsenzen bei Amazon und/ oder eBay oder anderen Marktplätzen. Aber wenn Facebook aktiv wird, sollten wir zumindest einmal nachschauen, was da los ist. Die Nummer eins der Social-Media-Plattformen bemüht sich ja bereits seit rund einem Jahrzehnt mit diversen Aktivitäten, am boomenden E-Commerce nicht nur über Werbung, sondern auch unmittelbar zu partizipieren. Da gab und gibt es zum Beispiel den Kaufbutton, die Integration von Shopify, Kooperationen mit PayPal und einiges mehr.

Jetzt führt Facebook, typisch für die Zuckerberg-Truppe, sukzessive den Shop in Deutschland ein. Wir haben für euch überprüft, was es damit auf sich hat, wie der Shop funktioniert, für wen sich die Nutzung dieser Plattform lohnen könnte und für wen eher nicht, was es kostet und was die Stärken und Schwächen dieses Absatzkanals sind. Top oder Flop?

Verfügbarkeit und Einrichtung des Shops bei Facebook

Die Shop-Funktion ist aktuell noch bei weitem nicht für alle User in Deutschland freigeschaltet. Die Unternehmens-Strategen stellen dieses Feature offenkundig scheibchenweise zur Verfügung. Die Kriterien und das Tempo für die Freischaltung sind unklar. Ob für dich schon die Möglichkeit besteht, den Shop einzurichten und zu nutzen, kannst du aber leicht überprüfen. Schau einfach nach, ob im Menü auf der linken Seite deines Profils der Navigationspunkt "Shop" auftaucht. Ist dies der Fall, ist die Einrichtung des Shops wirklich easy und selbsterklärend. Folge einfach den erfreulich klar und einfach gehaltenen Anweisungen. Das ist eine Sache von 15 Minuten. Dein Facebook-Shop wird allerdings erst dann für andere User sichtbar, wenn du auch mindestens ein Produkt eingestellt hast. Doch dazu später mehr.

[caption id="attachment_16616" align="aligncenter" width="1024"]Facebook (Screenshot: techcrunch.com)[/caption]

Du kannst Facebook natürlich nach wie vor als reines Schaufenster für den eigenen Web-Shop nutzen, indem du auf Facebook teaser platzierst und postest und dann in deinen originären Shop verlinkst. Neu ist jetzt eben, dass du auch im Facebook-Shop direkt verkaufen kannst.

Keine Kosten oder Gebühren - aber auch kein Support

Die gute Nachricht zuerst: Der Shop ist kostenlos und es fallen auch keine Gebühren pro Transaktion an. Die Kehrseite der Medaille ist, dass es auch keinerlei Support von Drittanbietern zum Beispiel bei der Lieferung oder der Zahlungsabwicklung gibt. Bis zuletzt war die Integration von Shopify Pflicht, wenn man einen Shop auf Facebook betreiben wollte, was dann auch für jeden Shopbetreiber Grund- und Transaktionsgebühren mit sich brachte. Nichts gegen Shopify, aber dieses Shopsystem ist amerikanischer Herkunft und im Wesentlichen auf den dortigen Markt ausgerichtet. Die Affinität deutscher Interessenten hielt sich wohl in sehr engen Grenzen, weswegen Facebook die verpflichtende Integration dieses Systems in Deutschland jetzt fallen gelassen hat.

An dieser Stelle komme ich dann auch zum größten Manko des Shops: Durch die fehlende Anbindung an Shopsysteme und in Ermangelung von Schnittstellen können Produktdaten nicht aus dem Product Information Management (PIM) des eigenen Shops in den Facebook-Shop importiert werden! Jedes Produkt muss mit Beschreibung, Preis, Bildern und allen weiteren erforderlichen Angaben einzeln von Hand eingegeben werden. Ein Horror für jeden Händler, dern den Kreis derjenigen, für die der Facebook-Shop ein attraktiver zusätzlicher Absatzkanal sein könnte, drastisch einschränkt. Zehn oder 20 Produkte händisch einzustellen mag ja noch vorstellbar und unter Schmerzen vertretbar sein - aber nicht hundert Produkte oder mehr.

Das spricht für den Facebook-Shop

FacebookWie eingangs bereits erwähnt, wäre es unklug, einschlägige Aktivitäten von Facebook einfach zu ignorieren und als Unsinn abzutun. Gegen eine solche Haltung spricht alleine die schiere Userzahl dieses weltweit führenden Social-Media-Networks. Weltweit sind mehr als eine Milliarde Nutzer registriert, in Deutschland nutzen rund 28 Millionen Menschen diese Plattform, 21 Millionen davon täglich. Diese Reichweite spricht für sich. Ein zweiter Pluspunkt ist die Abwesenheit von Grund- oder Transaktionsgebühren.

Das spricht gegen den Facebook-Shop

FacebookDer große Pferdefuß und für viele von euch ganz sicher ein absolutes Killerkriterium und NoGo gegen den Facebook-Shop in seiner jetzigen Ausgestaltung ist das Fehlen eines automatisierten Produktdatenimports. So kommt der Shop nur für diejenigen in Frage, deren Angebotsportfolio wenige Produkte umfasst. Auch für das Massengeschäft mit wenigen Artikeln ist der Shop wegen der nicht vorhandenen automatisierten Lösungen von Versand und Bezahlung ungeeignet. Damit bleibt der Facebook-Shop derzeit eher auf dem Niveau von eBay-Kleinanzeigen, was für den einen oder anderen ja auch durchaus nützlich sein kann. Aber eine wirkliche Alternative für professionellen E-Commerce ist er so noch nicht.

Warum bietet Facebook einen solchen Shop an?

Da kann die Antwort, keineswegs unüblich für Facebook, eigentlich nur lauten: Hier geht es um den Gewinn von Daten, die im Kerngeschäft Werbung verwendet werden können. Wer kauft was oder interessiert sich zumindest für welche Artikel? Das ist aus meiner Sicht ein sehr enttäuschender Ansatz, weil ein ernst zu nehmender Anlauf für einen wirklichen Einstieg in den E-Commerce deutlich anders aussehen müsste. Da darf man von einem der erfolgreichsten und finanzstärksten Internet-Unternehmen der Welt getrost mehr erwarten. Aber: abwarten! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die jetzige Form des Shops das Ende aller diesbezüglicher Bemühungen sein wird.

Fazit

Es ist aus der Sicht von uns E-Commerce-Jüngern doch etwas verwirrend, dass Marc Zuckerberg und seine Nerd-Truppe mit einem Shop-Konzept antreten, das so wenig ausgereift ist, wie das jetzt vorgelegte System. Böse formuliert steht der Shop, so wie er sich jetzt präsentiert, eine digitale Evolutionsstufe über der analogen Zeitungsanzeige. Hauptgrund für dieses (ich übernehme die alleinige Verantwortung) vernichtende Urteil ist der fehlende automatisierte Produktdatenimport. Automatisierung bei Logistik und Rechnungsstellung wären auch mehr als wünschenswert. Flop!

Aber stellen wir uns doch einfach einmal vor, es gäbe in Zukunft eine Schnittstelle, über die ihr als VersaCommerce-Merchants eure Produkte und deren Daten locker flockig ohne viel Aufwand in einen Shop auf der global mit Abstand führenden Social-Media-Plattform exportieren könntet. Dass ein solcher Datenimport über eine Schnittstelle technologisch kein Problem darstellt, zeigt ja beispielsweise der AmazonCommander, der aus technischer Sicht vergleichbar und erfolgreich im Einsatz ist. Versand und Zahlungsabwicklung wären ebenfalls geschmeidig geregelt. Top! Wäre das interessant für euch?

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