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Barrierefreie Shop-Gestaltung: So geht es technisch (Teil III)

Im ersten Teil unserer Serie zur barrierefreien Gestaltung von Internetseiten im Allgemeinen und Online-Shops im Besonderen haben wir uns den grundsätzlichen Fragen und Antworten gewidmet, die sich aus der bevorstehenden gesetzlichen Verpflichtung zur Barrierefreiheit ergeben. In Teil II haben wir unsere Kollegen aus dem Nachbarland Österreich, bei denen die barrierefreie Ausgestaltung von Webseiten und Online-Shops bereits seit Anfang 2016 gesetzlich verpflichtend ist, nach deren Erfahrungen befragt.
Barrierefreie Shop-Gestaltung: So geht es technisch (Teil III)

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Alle Internetangebote müssen unter dem Gebot der Barrierefreiheit so gestaltet sein, dass auch Menschen mit Einschränkungen, also beispielsweise Blinde, diese nutzen können. Doch wie läuft die Umstellung auf Barrierefreiheit eigentlich technisch? Wie aufwändig ist das? Kann ich das selber machen, oder brauche ich Hilfe?

Diese und andere Fragen haben wir Mathias vom Software-Entwicklerteam der Versa Commerce Entwicklungsgesellschaft gestellt.

1. Müssen bestehende Internetangebote wie Unternehmensseiten und Webshops zur Herstellung der Barrierefreiheit komplett neu aufgesetzt werden, oder ist eine „Nachrüstung“ technisch möglich?

Eine Nachrüstung ist in jedem Fall möglich. Der Aufwand hängt natürlich von den zu erfüllenden Richtlinien ab. Abhängig von deren Umfang und Detaillierung müssen dann mehr oder weniger Anpassungen im Quellcode getätigt werden, um diese zu erfüllen. Das Ausmaß der erforderlichen Änderungen hängt natürlich auch davon ab, wie ein Shop vorher aufgebaut war und was noch fehlt. Prinzipiell muss nicht alles neu gemacht werden. In manchen Fällen wird es vielleicht sinnvoll sein, ein neues Template auszuwählen.

2. Konzentrieren wir uns auf Webshops. Was muss an einem Online-Shop technisch geändert werden, um ihn barrierefrei zu machen?

Das ist nicht großartig anders, als bei einer Webseite: Der Quellcode muss barrierefrei sein. Die Inhalte sollten entsprechend gepflegt und leicht lesbar für einen Page-Reader sein. Alt-Attribute bei Bildern sind da das klassische Beispiel, aber auch Tabellen sind für Reader oft schwer lesbar. Bei der Gliederung der Quellcodes sollte man entsprechende HTML-Tags verwenden, falls das nicht ohnehin schon gemacht wird. Das entsprechende Keyword ist hier semantisches HTML. Die Hierarchie-Ebenen sollten aber so oder so schon aus SEO-Gründen beachtet werden.

Im besten Fall sind die Produkte und Inhalte schon so gepflegt, dass nur eine Umstellung im Template notwendig ist. Das sollte dann am besten so aufbereiten bzw. ausgewählt sein, dass barrierefreies Einpflegen möglichst automatisiert ablaufen kann.

3. Wie aufwändig ist die Umstellung für einen kleinen Webshop mit einigen hundert Produkten im Angebot?

Bei einem cloudbasierten System und ordentlich gepflegten Produkten ist dies keine besonders große und aufwändige Umstellung. Sind die Produkte allerdings nicht vollständig eingepflegt und Felder, die bisher keine Pflichtfelder waren, wurden ausgelassen, wird der Aufwand steigen.

4. Gibt es für die Nachrüstung Standardprogramme oder wird es diese geben? Kann der Shopbetreiber mit solchen seinen Shop selbständig umrüsten, oder wird er im Regelfall externe Hilfe benötigen?

Leider gibt es keine Software, die du einfach über ein Template laufen lassen kannst mit dem Ergebnis, dass dein Shop anschließend komplett barrierefrei ist. Wer auf Basis eigener Programmierkenntnisse selbst nicht in der Lage ist, die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen, wird auf die Unterstützung von Dienstleistern angewiesen sein.

Eine Automatisierung könnte allerdings beispielsweise so aussehen: Bei nicht eingepflegten Alt-Attributen für Bilder zieht sich das Theme eine Kombination aus Produktname und Varianten und vergibt daraus dann das Alt-Attribut. Ist das eingerichtet, hat ein Shop-Betreiber anschließend keine Arbeit mehr damit. Die Produktnamen sollte ja nun wirklich jeder Shop-Inhaber angelegt haben.

5. An welchen Stellen wird die Herstellung der Barrierefreiheit von Webshops besonders anspruchsvoll? Wie sieht das zum Beispiel bei der Produktdarstellung aus, die ja oft zum großen Teil aus Bildern und 360-Grad-Darstellungen besteht?

Die Produktdarstellung selbst würde ich nicht als kritisch einstufen wenn es um die Barrierefreiheit eines Shops geht. Das kann, wie oben erwähnt, gut über Tags und Attribute gewährleistet werden.

Anspruchsvoller kann es da schon beim Checkout werden. Betrachten wir zum Beispiel die Auswahl der Bezahl- und Versandart. Das sind auch ohne den barrierefreien Aspekt sensible Punkte, an denen die Kunden häufig abspringen. Da muss man sich dann schon richtig reindenken und voraussichtlich auch Erfahrungen sammeln, damit der Checkout nicht nur barrierefrei ist, sondern in der Praxis auch zu befriedigenden Konversionsraten führt.

6. Einmal barrierefrei umgerüstet, können Shopbetreiber dann in der Folge selbständig neue Produkte einstellen und wie viel aufwändiger wird dieser Prozess gegenüber heute?

Es wird nach der grundsätzlichen Umrüstung immer wieder einige Werte geben, die eingetragen werden müssen. Insgesamt wird sich der Mehraufwand nach der Umstellung auf Barrierefreiheit aber in Grenzen halten. Die Ausnahme bestätigt in diesem Fall aber natürlich wie immer die Regel. Es wird Shops geben, die es leichter haben und andere Shops, dies es schwerer haben werden.

Mathias, vielen Dank für diese aufschlussreichen technischen Informationen.

Fazit

Wir haben durch dieses Interview gelernt, dass die barrierefreie Gestaltung von Webshops, sobald sie auch bei uns in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben wird, natürlich Aufwand auslösen wird. Dazu wird Zeit, Geld und technisches Know How aus dem Bereich Shop-Programmierung erforderlich sein. Allerdings besteht kein Grund zu übersteigerter Panik, da, und das hatten uns ja auch die Kollegen aus Österreich bereits so geschildert, dieser Aufwand nicht flächendeckend zum Shop-Killer werden wird.

Bilder © timkaekler / Fotolia

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Autor

Frank Zimmermann

Frank ist mit seinem Unternehmen FCZ PR seit 2004 selbständiger Kommunikationsberater. Seine Kernkompetenzen sind E-Commerce, IT im Allgemeinen und die Finanzdienstleistungsbranche. Neben Corporate Communications ist die Krisenkommunikation seine Passion. Zuvor war Frank als Managing Director des Standortes Frankfurt der PR-Agentur Weber Shandwick tätig. Frank schreibt seit 2015 mit großem Erfolg für unseren Blog.

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