Die besten News per E-Mail
Know How & Inspiration für dein erfolgreiches Geschäft – direkt in Dein Postfach.

Amazons Kampf gegen den Betrug

Amazon ist die Nummer eins im E-Commerce. Das Geschäft brummt. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Gefälschte Markenprodukte, Fake-Shops und getürkte Bewertungen bereiten Ärger. Solcher Betrug schadet allen seriösen Akteuren. Was tut der Online-Riese?
Amazons Kampf gegen den Betrug

Das zu Ende gehende 2016 war ein gutes Jahr für Amazon. Der Eigenhandel und der Marktplatz expandieren, neue Geschäftsfelder werden erschlossen, der Börsenwert steigt. Also, alles eitel Sonnenschein? Mit nichten. Denn, so sagt ja der Volksmund, wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und dieser Schatten heißt Betrug.

So wie die analogen Taschendiebe in der Adventszeit das Gedränge auf den Weihnachtsmärkten als ihre beste Jahreszeit ansehen, so tummeln sich auch eine Menge digitaler Strauchdiebe rund um die Aktivitäten von Amazon. Da werden billige Plagiate als Markenprodukte angeboten und verkauft. Auf dem Marktplatz tauchen komplette Fake-Shops auf, die nur ein Ziel haben: Online-Shopper um ihr Geld zu bringen. Und last but not least sind manipulierte Bewertungen von Produkten oder Händlern bei Amazon ein weiteres Ärgernis, das auch eine Art Betrug darstellt, da mit diesen fingierten Bewertungen Käufer getäuscht und seriöse Händler geschädigt werden.

Diese Betrügereien schaden allen Beteiligten - natürlich mit Ausnahme der Betrüger, falls sie nicht erwischt werden. Amazon selber erleidet einen beachtlichen Reputations- und Vertrauensverlust, der leider auch auf die angeschlossenen seriösen Händler abstrahlt. Als Markenprodukte getarnte Billig-Plagiate verschärfen den ohnehin schon harten Preiskampf im Netz und ziehen Umsätze von rechtmäßig geführten Webshops ab und schädigen selbstverständlich auch die Markenhersteller. Das gleiche gilt für gekaufte und gefälschte positive Bewertungen, die nicht zutreffende Informationen verbreiten. Und natürlich zählen auch die Käufer zu den Opfern, die solchen Betrügereien aufsitzen und ihr Geld komplett verlieren oder minderwertige Ware erhalten. Wir wollen einmal etwas genauer hinschauen, mit welchen Maßnahmen Amazon den genannten Arten von Betrug entgegentritt.

Betrug #1: Fake-Shops

Ein aktuell besonders großes Ärgernis, das auch schon den Weg in die Berichterstattung der elektronischen Medien geschafft hat, sind komplette so genannte Fake-Shops, die sich als seriöse Amazon-Marketplace-Shops tarnen. Deren Masche ist ebenso einfach wie hinterlistig. Webshopper werden mit Waren zu vermeintlichen Schnäppchenpreisen angelockt. Entscheidet sich ein Kunde zu einem Kauf, wird er aufgefordert, die entsprechende Zahlung nicht über Amazon zu leisten, sondern den Kaufbetrag direkt auf ein meist ausländisches Konto zu überweisen. Die Ware erhält der Kunde dann natürlich nicht und auch das Geld ist verloren, da die Möglichkeiten der Strafverfolgungsbehörden im Ausland sehr limitiert sind. Dieses Betrugsmodell hat selbst Europol schon mit der Kampagne "Don't f***(ake) Up" auf den Plan gerufen.

[embed]https://youtu.be/hYv1DlGBvzc[/embed]

Diese Betrugsform ist von Amazon präventiv schwer zu bekämpfen. Zumindest scheinen die Techniker noch kein geeignetes Früherkennungssystem gefunden zu haben. Wenn das Kind einmal in den Brunnen gefallen ist, werden gemeldete Fake-Shops allerdings meist binnen Stunden vom Netz genommen. Dies nützt aber in der Regel meist wenig, da diese in einer Art "Hase-und-Igel-Spiel" blitzschnell unter anderem Namen wieder auftauchen. Solange Amazon kein Instrument zur präventiven Erkennung betrügerischer Fake-Shops hat, sind in erster Linie die Shopper gefordert, ihren gesunden Menschenverstand zu nutzen. Sie sollten auf keinen Fall den verifizierten Marktplatz verlassen und schon gar nicht an andere Konten außerhalb der offiziellen Zahlungswege überweisen.

Betrug #2: Billig-Plagiate von Markenprodukten

Ein weiteres schwerwiegendes weil weit verbreitetes Problem ist der Verkauf von Billig-Plagiaten von Markenprodukten über Amazon. Über dieses Phänomen sind die Markenhersteller mindestens so sauer wie die betroffenen Kunden. Der Rechtsabteilung von Apple beispielsweise ist jüngst die Hutschnur geplatzt, weil bei einem Marketplace-Händler sage und schreibe 90 Prozent der angebotenen Produkte mit dem Apfel Fälschungen waren.

Nach Ansicht einiger Experten könnte Amazon hier deutlich mehr tun; "Alle Waren, die direkt über Amazon versendet werden sollen, werden in Amazon Depots gelagert. Die Lagerung der Produkte von den autorisierten Händlern und von den Drittanbietern erfolgt häufig zusammen. Es ist oft dann reine Glückssache, ob der Kunde ein Original von einem seriösen Händler oder eventuell ein Plagiat von einem Drittanbieter erhält. Amazon prüft Anbieter nur unter gewissen Gesichtspunkten, deshalb tummeln sich auf der Plattform zahlreiche schwarze Schafe und bieten gefälschte Waren an. Amazon wirkt bei dem Problem überfordert, weil vermutlich auch zu wenig Personal vorhanden ist, um Plagiats-Meldungen schneller zu überprüfen und gegen Fälschungen vorgehen zu können. Aus Kundensicht wäre es sinnvoll, dass Amazon die Depot-Bestände nicht vermischt, sondern Einheiten kennzeichnet, damit Plagiats-Lieferungen von Drittanbietern vermieden werden", sagte Rechtsanwalt Maik Sebastian gegenüber Techbook.

Besonders dramatisch und unerträglich an diesem Szenario finde ich, dass auch seriöse Händler, die mit Original-Markenprodukten handeln, wegen der genannten Prozedere von Amazon Gefahr laufen, völlig unverschuldet bei ihren Kunden als Betrüger da zu stehen! Das geht gar nicht. Hier muss Amazon dringend aktiver werden. Sonst droht auch an dieser Front ein erheblicher Vertrauensverlust und signifikanter wirtschaftlicher Schaden für Amazon selbst, ehrliche Händler und Konsumenten.

Betrug #3: gekaufte Kundenbewertungen

Produkt- oder Händlerbewertungen anderer Kunden haben einmal eine große Glaubwürdigkeit genossen und damit signifikanten Einfluss auf Kaufentscheidungen gehabt. Online-Shopper verließen sich gerne auf die Meinung anderer Käufer zu einem bestimmten Produkt oder Händler, weil sie diesen vertrauten und höheren Stellenwert beimaßen als den Hochglanz-Produktbeschreibungen. Diese Zeiten sind allerdings längst vorbei, weil seit Jahren bekannt ist, dass Kundenrezensionen systematisch gekauft werden und mit der Wirklichkeit oft wenig bis gar nichts zu tun haben. Das ist ohne jeden Zweifel Betrug.

Positive Bewertungen gegen Bezahlung oder andere geldwerte Vorteile wie zum Beispiel Einkaufsgutscheine sind längst ein sehr lukratives Geschäftsfeld geworden. Allerdings hat dieser Wildwuchs das einst hilfreiche Instrument der Kundenbewertungen ein gutes Stück weit ad absurdum geführt. Auch daher hat Amazon jetzt die Regeln für Produktrezensionen deutlich verschärft. Da heißt es unter anderem: "Wir erlauben keine Rezensionen oder "Hilfreich"-Bewertungen von Rezensionen, die gegen Entgelt in jeglicher Art erstellt worden sind. Dies beinhaltet unter anderem Bezahlung (in Form von Geld oder Geschenkgutscheinen), Bonus-Inhalte, Ermöglichen der Teilnahme an einem Wettbewerb oder Gewinnspiel, Rabatte für zukünftige Einkäufe, zusätzliche Produkte oder andere Geschenke."

Betrug

Eine weitere Neuregelung besagt, dass User künftig nur noch maximal fünf Rezensionen pro Woche abgeben, wenn es sich um keinen "verifizierten Kauf" handelt. Bei Zuwiderhandlung droht der E-Commerce-Riese erwischten Händlern mit dem Verlust des Amazon-Kontos.

Die große Frage ist allerdings momentan noch, wie Amazon zweifelsfrei feststellen kann, ob eine Bewertung in irgendeiner Form incentiviert war oder eben nicht. Da stehen wohl ebenso spannende wie heftige Streitigkeiten ins Haus. Wir müssen wohl oder übel abwarten, was die verschärften Neuregelungen bringen werden, und ob die Bewertungswächter den ausufernden Betrug mit falschen Bewertungen in den Griff bekommen. Eine gewisse Skepsis halte ich für angebracht.

Fazit

Ich denke, eines ist ganz klar: Amazon könnte und müsste an der einen oder anderen Stelle deutlich mehr gegen Betrug in den beschriebenen Formen tun. Das gebietet schon die Verantwortung gegenüber dem eigenen Unternehmen, den angeschlossenen Händlern und natürlich den Online-Shoppern als Kunden.

Zugegeben: Das ist nicht ganz einfach, da die Betrüger höchst trickreich und konspirativ vorgehen. Doch wer, wenn nicht Amazon, wäre in Sachen Know How und Finanzkraft in der Lage, den Betrügern zumindest teilweise das Handwerk zu legen? Natürlich ist auch der gesunde Menschenverstand der Shopper gefragt: Wenn ein neues iPhone 7 für 199 Euro angeboten wird, dann kann einfach etwas nicht stimmen. Alle Beteiligten sollten ihren Beitrag leisten, Betrügereien einen Riegel vorzuschieben, denn der Betrug schadet allen ehrlichen Händlern, Marktplatzbetreibern, Herstellern und Kunden.

Wie sind eigentlich eure Erfahrungen? Ist euer Shop auch schon einmal gekapert worden? Gab es Ärger mit Fake-Rezensionen? Und wie war die Zusammenarbeit mit Amazon? Ich freue mich sehr auf eure Beiträge.

Tags

Weiterlesen